Ga door naar hoofdcontent
ArtikelSind die europäischen Händler auf die neue Realität vorbereitet?

Sind die europäischen Händler auf die neue Realität vorbereitet?

Montag 20 oktober 2025

Der europäische Bausektor steht am Beginn eines entscheidenden Wandels: Digitalisierung, Nachhaltigkeit und der anhaltende Fachkräftemangel verändern die Spielregeln, bieten aber auch neue Chancen für den Baustoffhandel in Europa. Dies sagte Jan-Paul Schop, Geschäftsführer der Marketingagentur USP, auf dem Euro-Mat-Forum in Split.

Herr Schop gab einen Überblick über die wichtigsten Entwicklungen und wie Baustoffhändler darauf reagieren können: das Aufkommen von BIM, die langsame, aber stetige Wirkung technologischer Innovationen, die Suche nach nachhaltigen Lösungen und der Druck auf den Arbeitsmarkt. Für den Baustoffhandel liegen die Chancen in der Partnerschaft, der Anpassung und der proaktiven Unterstützung dieser Veränderungen.

Jan-Paul Schop, Geschäftsführer der Marketingagentur USP

Digitalisierung: BIM wird zur Norm

Building Information Modelling (BIM) ist auf dem Vormarsch, vor allem bei großen Projekten und in Nordwesteuropa. Rund 30 Prozent der Architekten nutzen BIM, und diese Projekte machen fast 50 Prozent ihres Umsatzes aus”, erklärt Schop.

Für den Großhandel bedeutet dies eine steigende Nachfrage nach Produkten, die in BIM-basierte Bauprozesse integriert werden können. Die Anwendungsmöglichkeiten sind jedoch noch begrenzt: Architekten nutzen BIM hauptsächlich für Visualisierungen. Die Verknüpfung mit der Planung und Kalkulation ist noch unterentwickelt. Diese Situation bietet Chancen für Anbieter, die Ideen zur Digitalisierung und Integration in die Baukette liefern wollen.

Baustoffhändler können sich als digitale Partner profilieren, indem sie Lösungen anbieten, die sich nahtlos in BIM-Workflows einfügen und den Bauprozess effizienter gestalten.

Technologie: Innovation erfordert Geduld

Neue Technologien wie Robotisierung, künstliche Intelligenz und Augmented Reality werden viel diskutiert, aber es gibt noch keine schnellen Fortschritte. Die Robotisierung wird als mögliche Lösung für den Arbeitskräftemangel gesehen, aber nach Ansicht der meisten Architekten wird sie erst in fünf Jahren realistisch umgesetzt werden”, sagt Schop.

Für den Baustoffhandel bedeutet dies, dass Innovationen wie Vorfertigung, Drohnen oder digitale Messgeräte vorerst Nischenprodukte bleiben werden. Es lohnt sich aber, die Entwicklungen genau zu beobachten und strategische Allianzen mit innovativen Herstellern zu schmieden. Wer früh anfängt, kann von Skaleneffekten profitieren.

Nachhaltigkeit: Chancen wachsen trotz Zurückhaltung der Kunden

Obwohl fast alle Architekten an nachhaltigen Projekten beteiligt sind, sind die Endkunden oft zurückhaltend. Im Jahr 2020 fragten 30 % der Kunden ausdrücklich nach nachhaltigen Lösungen, aber diese Zahl ist jetzt auf 20-25 % gesunken.

Der Anteil nachhaltiger Projekte nimmt jedoch immer mehr zu. Der Großhandel kann darauf reagieren, indem er eine breite Palette an biobasierten, kreislauffähigen und recycelten Baustoffen anbietet. Der Betonsektor hat mit Schwierigkeiten zu kämpfen, während Holz immer mehr an Bedeutung gewinnt, auch für Anwendungen wie Innenwände”, erklärt Schop.

Darüber hinaus ist eine Beratung zu Kreislauflösungen erforderlich. Die Regierungen konzentrieren sich zunehmend auf die Kreislaufwirtschaft, was letztendlich zu einer anderen Struktur der Nachfrage auf dem Markt führen wird. Für die Anbieter ist dies eine Gelegenheit, sich durch ihr Fachwissen und ihre Dienstleistungen zu profilieren.

Der Arbeitsmarkt: der größte Engpass

Der Mangel an Fachkräften bremst das Wachstum in weiten Teilen Europas. In Deutschland entfallen 70 % der Bautätigkeit auf Renovierungsarbeiten, während es sich in Polen hauptsächlich um Neubauten handelt. Vor allem die Renovierung wird durch einen Mangel an Malern, Maurern und Installateuren behindert.

Während früher die Arbeitsmigration nach Osteuropa eine Lösung darstellte, ist sie heute weniger offensichtlich. Die lokalen Arbeitsmärkte in Ländern wie Polen sind bereits angespannt, und Migranten sind bei Renovierungsprojekten oft weniger gut einsetzbar.

Die Baustoffhändler nehmen dies in Form einer Stabilisierung der Nachfrage in bestimmten Segmenten wahr. Der Markt für Maler zum Beispiel kann sich aufgrund von Personalmangel nicht entwickeln”, erklärt Schop. Er weist auch auf das Potenzial für mehr Vielfalt hin: “In Dänemark sind 40 Prozent der Maler Frauen, in den Niederlanden dagegen weniger als 5 Prozent. Hier gibt es eine große Chance.

Ausblick: 2025 besser als 2024

Nach einem schwierigen Jahr 2024 erwartet Herr Schop eine Verbesserung im Jahr 2025, gefolgt von einer weiteren Erholung im Jahr 2026. Eine Ausnahme dürfte Deutschland bilden, wo die Bauwirtschaft weiterhin unter Druck bleiben wird. Für Baustoffhändler ist es jetzt wichtig, in strategische Agilität zu investieren.

Die vier von Schop identifizierten Schlüsselbereiche für Baustoffhändler sind die folgenden:

  • Digitalisierung: Bereiten Sie sich auf BIM vor, indem Sie Produkte und Dienstleistungen anbieten, die sich in digitale Bauprozesse integrieren lassen.
  • Nachhaltigkeit: Schaffung einer starken und zukunftsweisenden Produktpalette und Beratung der Kunden zu Kreislaufanwendungen.
  • Arbeitsmarkt: Seien Sie sich der Grenzen der Erneuerung aufgrund von Personalmangel bewusst und suchen Sie Partnerschaften, um Lösungen zu finden.
  • Neue Zielgruppen: Förderung der Vielfalt im Bausektor, um eine strukturelle Lösung für den Arbeitskräftemangel zu finden.

Schop fasst die Situation wie folgt zusammen: “BIM wird zur Norm, Nachhaltigkeit bleibt entscheidend, aber der Fachkräftemangel könnte das Wachstum bremsen. Baustoffhändler können sich als unverzichtbare Partner positionieren, indem sie Ideen für Innovation, Kreislaufbau und Lösungen für den Arbeitskräftemangel liefern.

Kurzum, von Baustoffhändlern wird in den kommenden Jahren immer mehr erwartet. Nicht nur als Lieferanten, sondern auch als Partner in Sachen Innovation, Nachhaltigkeit und Arbeit. Für die Euro-Mat-Mitglieder ist es jetzt an der Zeit, in Wissen, Produktpalette und Zusammenarbeit zu investieren. Diejenigen, die sich jetzt vorbereiten, werden auf die neue Realität des Bauens vorbereitet sein.