Service, Vertrauen und Innovation: Das Baucenter Decker-Ries erfindet sich neu.
Dienstag 21 oktober 2025In einem wettbewerbsintensiven Markt zwischen Frankreich, Belgien und Deutschland hat das luxemburgische Familienunternehmen Baucenter Decker-Ries einen bemerkenswerten Wandel vollzogen. Von einem traditionellen Baustofflieferanten hat es sich zu einem integrierten Dienstleister entwickelt, der Renovierungs- und Neubauprojekte von A bis Z abwickelt. Für den europäischen Baustoffhandel ist dieser Ansatz ein inspirierendes Beispiel dafür, wie man in einem gesättigten Markt Wachstum erzielen kann.

Als Laurent Decker sein Unternehmen vor fünfzehn Jahren gründete, erwirtschaftete Decker-Ries den größten Teil seines Umsatzes mit dem traditionellen Handel. Im Laufe der Jahre haben wir einen stetigen Übergang von einer reinen Handelstätigkeit zu diversifizierten Dienstleistungen erlebt. Diese Entwicklung ist nicht zufällig. Luxemburg ist ein kleines Land, das von großen Unternehmen umgeben ist. Die Konkurrenten aus den Nachbarländern profitieren von Größenvorteilen und niedrigen Preisen. Wir werden nie in der Lage sein, über die Menge zu konkurrieren”, sagt Decker. Deshalb setzen wir auf Qualität und Service. Nur so können wir uns von der Konkurrenz abheben.
In der Praxis bedeutet dies, dass Decker-Ries nicht nur Baumaterialien verkauft, sondern sich auch um den Bau selbst kümmert. Das Unternehmen beschäftigt mehr als vierzig Maurer und dreißig Zimmerleute in einem festen Arbeitsverhältnis. Darüber hinaus entwickelt es ständig neue Aktivitäten: Küchen, Beleuchtung, Außenmöbel. Wir bauen unser Angebot nach und nach aus”, erklärt Herr Decker. Das bedeutet, dass die Kunden sich mit immer mehr Dingen an uns wenden können, ohne mehrere Teile koordinieren zu müssen.
Eine zentrale Anlaufstelle für Kunden
Decker sieht einen klaren Trend: Die Kunden haben weder die Zeit noch die Lust, mehrere Auftragnehmer selbst zu verwalten. Sie wollen ein Unternehmen, das sich um alles von A bis Z kümmert. Noch deutlicher wurde dies während der Coronavirus-Pandemie. Die Leute übergaben uns buchstäblich die Schlüssel zu ihrer Wohnung und erwarteten, dass ihr Haus in drei Monaten komplett renoviert wird. Vertrauen ist entscheidend.
Für die meisten Bauhandwerker klingt das vertraut. Der Trend zu integrierten Lösungen und schlüsselfertigen Projekten ist in ganz Europa auf dem Vormarsch. Die Kunden erwarten zunehmend Orientierung, Beratung und ein Komplettpaket.
Direkte Information, schnelle Kommunikation
Die vertikale Integration hat einen weiteren Vorteil: Sie verbessert die Information der Lieferanten. Wenn es zum Beispiel ein Problem mit einer Fliese vor Ort gibt, sehen wir es sofort. Wir machen Fotos, schicken sie und geben sofort eine Rückmeldung. Es gibt keine zusätzlichen Ebenen zwischen dem Hersteller und dem Kunden. Das vereinfacht die Kommunikation und reduziert Konflikte”, erklärt Decker.
Für die Hersteller bedeutet dies wertvolle Informationen über die Leistung ihrer Produkte in der Praxis. Für Bauhandwerker kann dies eine Gelegenheit sein, ihre Rolle als Berater und Hüter der Qualität zu stärken.
Auf der Suche nach Fachkräften

Wenn man Dienstleistungen anbietet, muss man kompetente Fachleute finden. Das ist vielleicht die größte Herausforderung im Moment. Es ist schwierig, überall in Europa qualifizierte Leute zu finden”, sagt Decker. Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen viele Italiener und Portugiesen nach Luxemburg, um hier zu arbeiten. Sie waren für den Sektor unverzichtbar. Aber ihre Kinder wählen meist nicht den gleichen Weg; sie wollen Bürojobs. Das Image der Facharbeit hat sich verschlechtert. Ich finde, es gibt nichts Schöneres, als etwas mit den Händen zu machen.
Decker-Ries begegnet der Herausforderung mit umfangreichen Investitionen in seine Mitarbeiter. Das Unternehmen hat ein eigenes Ausbildungszentrum für Maurer eingerichtet und arbeitet eng mit Schulen zusammen, um junge Talente zu gewinnen. Gleichzeitig blickt es über die Landesgrenzen hinaus und rekrutiert motivierte Mitarbeiter aus Ländern wie der Ukraine und Moldawien. “Wir versuchen alles: Ausbildung, Partnerschaften mit Schulen, internationale Anwerbung. Man muss immer wieder in die Menschen investieren, sonst verliert man den Kampf um Talente”, sagt Decker.
Innovation als Quelle der Inspiration
Neben Service und Know-how investiert Decker-Ries auch in Erfahrung und Innovation. Der Showroom ist mit einem digitalen Simulationswürfel namens In-Cube ausgestattet, mit dem die Kunden projizierte Fliesenkombinationen auf Böden und Wänden sehen können. Er ist vor allem eine Quelle der Inspiration”, erklärt Decker. Viele Leute wollen die Materialien immer noch anfassen, aber mit dem Würfel können sie jetzt die Kombinationen sehen und mit Ideen spielen. Wir nennen das ‘phygital’: die Kombination aus dem Physischen und dem Digitalen.

Laut Herrn Decker ist der In-Cube kein direkter Umsatztreiber, sondern ein wichtiges Instrument im Verkaufsprozess. Er ist ein Teil des Kundenerlebnisses. Die Kunden finden es “cool”: Sie wählen zum Beispiel ein Badezimmer aus, geben die Maße ein und können eine 3D-Projektion ihres zukünftigen Badezimmers einschließlich der Fliesen sehen, ohne dass sie eine Virtual-Reality-Brille benötigen. Decker glaubt, dass sich die Technologie in der Zukunft zu vollständig immersiven Hologrammen weiterentwickeln wird. Dann wird es beispielsweise möglich sein, die neue Küche zu betreten und zu berühren. Eine ähnliche Entwicklung findet auch in der Automobilindustrie statt.
Auf der Suche nach Inspiration reist Decker viel: zum Beispiel in die Niederlande, nach Flandern und Skandinavien. Dort sehen wir oft Ausstellungsräume, die einen Schritt voraus sind. Das gibt uns Ideen für Innovationen auch in Luxemburg.
Für Bauunternehmer ist dies eine wichtige Lektion: Innovation muss nicht immer unmittelbare finanzielle Vorteile bringen. Es geht um Kundentreue und den Ausbau von Wettbewerbsvorteilen.
Vertikale Integration in der Praxis
Auch wenn die vertikale Integration auf den ersten Blick verbraucherorientiert erscheint, wendet Decker-Ries das Konzept auch in der Zusammenarbeit mit professionellen Bauunternehmen, Projektentwicklern und öffentlichen Einrichtungen an. Denken Sie an die Realisierung kompletter Wohnbauprojekte oder öffentlicher Gebäude wie Schulen oder Sportzentren”, erklärt Decker. Darüber hinaus beliefert das Unternehmen weiterhin Bauunternehmen, die kleine und mittlere Projekte durchführen. Decker-Ries bietet ihnen praktische Lösungen, wie zum Beispiel maßgeschneiderte Nassbetonmischungen. Ein Bauunternehmer, der einen halben Kubikmeter Beton benötigt, muss nicht gleich eine ganze LKW-Ladung bestellen. Er kann genau die Menge, die er benötigt, aus unserer vollautomatischen Beton2Go-Maschine abholen. Das senkt die Kosten und vermeidet Abfall. Auf diese Weise hilft Decker-Ries den Bauprofis, effizienter und nachhaltiger zu arbeiten.
Nachhaltige Entwicklung, ein Marathon

Wenn es um nachhaltige Entwicklung geht, ist Decker in erster Linie Realist: “Das Interesse an ESG hat in den letzten Jahren wegen all der geopolitischen Probleme etwas nachgelassen, aber es ist immer noch wichtig.
Ihr Ansatz: kleine, konkrete Maßnahmen, die sowohl für die Kunden als auch für die Mitarbeiter sichtbar sind. Wir haben Sonnenkollektoren auf dem Dach, Ladestationen für Elektroautos, und Einweg-Plastikflaschen wurden im Unternehmen durch Mehrwegflaschen ersetzt. Auch bei den Produkten blicken wir in die Zukunft, zum Beispiel bei den portugiesischen Korkböden, die CO₂-neutral und nachhaltig produziert sind. Wir nehmen solche Lösungen in unser Sortiment auf, aber die Nachfrage ist noch nicht sehr groß.
Herr Decker betont, dass Nachhaltigkeit in erster Linie ein Marathonlauf und kein Sprint ist. Wir begleiten die Menschen Schritt für Schritt. Man darf nicht zu weit gehen, sonst verliert man die Unterstützung. Aber die Richtung ist klar: Immer mehr Kunden fragen nach Faktenblättern und Nachhaltigkeitszertifikaten. Innovation und Nachhaltigkeit führen zwar nicht immer direkt zu mehr Umsatz, aber sie stärken die Beziehung zu den Kunden und positionieren unser Unternehmen als zukunftsorientiert.
Was können andere europäische Baustoffhändler von Decker-Ries lernen? Laut Laurent Decker sollten sie sich nicht mehr nur über den Preis oder das Volumen differenzieren, sondern über den Mehrwert, den sie bieten. Qualität, Service und Vertrauen sind die Basis für unsere Zukunft.
Fünf Generationen von Bauhandwerkern
Das Baucenter Decker-Ries ist eines der ältesten Familienunternehmen in Luxemburg und einer der Gründerväter von Euro-Mat. 1899 wurde es von François Decker und Marie Ries als Handelsunternehmen für Kohle und Grundstoffe gegründet. Bald expandierte das Unternehmen in den Bereich Fliesen und andere Bauprodukte. In den 1950er Jahren modernisierte sich das Unternehmen mit seinem ersten Ausstellungsraum und neuen Filialen. Heute ist Decker-Ries mit mehr als 20.000 m² Fläche eines der größten integrierten Bauzentren im Großraum Luxemburg. Seit 2015 steht die fünfte Generation, Laurent und Christophe Decker, an der Spitze des Unternehmens.
Siehe auch: https://www.decker-ries.lu/
