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Arbeitskräftemangel in Europa: Baustoffhändler haben einen Teil der Lösung

Montag 20 oktober 2025Afbeelding Arbeitskräftemangel in Europa: Baustoffhändler haben einen Teil der Lösung

Stellen Sie sich vor, Sie haben stapelweise Dämmplatten für ein Projekt auf Lager, das sich verzögert, weil kein Elektriker gefunden werden kann. Ein Bauunternehmer storniert eine Bestellung für Wärmepumpen, weil keine Installateure zur Verfügung stehen, um sie einzubauen. Oder eine Lieferung von Schindeln, die wochenlang auf dem Hof liegt und darauf wartet, dass die Maurer etwas anderes machen.

Diese Fälle sind alles andere als Ausnahmen. In ganz Europa bekommen Baustoffhändler die Auswirkungen eines Arbeitskräftemangels zu spüren, der Projekte verlangsamt, die Nachfrage stört und für Volatilität auf dem Baustoffmarkt sorgt. Die Regierungen fordern den Bau neuer Wohnungen und beschleunigte Renovierungsarbeiten, um die Ziele der Energiewende zu erreichen. Doch ohne genügend qualifizierte Arbeitskräfte bleiben diese Ziele Makulatur und die Aufträge stagnieren.

Für Einzelhändler ist dies kein entferntes und abstraktes Problem. Es ist ein unmittelbares Geschäftsrisiko: Keine Arbeitskräfte bedeuten weniger Projekte, und weniger Projekte bedeuten weniger Nachfrage. Aber es ist auch eine Chance. Baustoffhändler, die sich als Lösungsanbieter und nicht als Entwickler positionieren, können Marktanteile gewinnen, und Euro-Mat – das europäische Netzwerk von Einzelhändlern – steht im Mittelpunkt dieses Übergangs.

Eine strukturelle Herausforderung

Die Leerstandsquoten in Europa sind Anfang 2025 leicht gesunken, aber der Bausektor bleibt ein Hot Spot. Der Mangel ist strukturell bedingt: Aufgrund der demografischen Entwicklung gehen mehr Arbeitnehmer in den Ruhestand, als durch neue Arbeitskräfte ersetzt werden können, während die Energiewende die Nachfrage nach neuen technischen Qualifikationen anregt.

Migration und Automatisierung sind Teil des Mixes, aber beides ist keine Wunderlösung. Gastarbeiter können dies nur teilweise kompensieren, und ihre Qualifikation, Sprache und Zertifizierung erfordern oft lange Vorlaufzeiten. In den Vorfertigungsbetrieben sind Roboter auf dem Vormarsch, aber die Baustellen sind nach wie vor sehr variabel und komplex, und der Einsatz von Automatisierung bleibt marginal.

Das Ergebnis ist eindeutig: Der Mensch steht weiterhin im Mittelpunkt, und Investitionen in Ausbildung, Orientierung und Bindung sind der einzige nachhaltige Weg nach vorn.

Verschiedene Länder, verschiedene Lücken

Der Arbeitskräftemangel äußert sich in Europa unterschiedlich:

  • Deutschland verbindet eine starke Ausbildungstradition mit einer alternden Erwerbsbevölkerung. Trotz 350.000 Lehrlingen bis 2024 sind mehr als 20.000 Lehrstellen nicht besetzt, was zeigt, dass Image und Demografie die Ausbildungskapazität übersteigen.
  • Zu den Initiativen des Vereinigten Königreichs gehören Qualifizierungszentren und beschleunigte Schulungen in den Bereichen Heizung, Lüftung, Klimaanlagen und Renovierung. Ein fragmentiertes Arbeitsmodell und hohe Ausbildungskosten begrenzen jedoch den Fortschritt.
  • Spanien hat eine der niedrigsten Leerstandsquoten der Welt, sieht sich aber mit einem ernsthaften Missverhältnis im Bausektor konfrontiert: alternde Arbeitskräfte, niedriges Qualifikationsniveau und ein Bedarf an 700.000 neuen Arbeitskräften.
  • Die Niederlande rechnen mit einem etwas geringeren Druck im Bereich des Wohnungsneubaus, aber mit anhaltenden Engpässen bei den Installationstechnologien – Wärmepumpen, Isolierung, elektrische Systeme -, wo die Nachfrage strukturell hoch ist.
  • Für die Händler im Baugewerbe hat dies eine uneinheitliche Nachfrage zur Folge. Produkte im Zusammenhang mit Renovierung, Heizung, Lüftung und Klimaanlagen (HVAC) und Energie wachsen schnell, während traditionelle Baumaterialien in der Rezession wahrscheinlich stagnieren werden.

Unternehmen ergreifen die Initiative

In ganz Europa warten die Bauunternehmen nicht auf die Regierungen, um den Arbeitskräftemangel zu beheben. Stattdessen entwickeln sie ihre eigenen Ausbildungs- und Einstellungsprogramme, oft in Zusammenarbeit mit Fachinstituten. In den Niederlanden hat Heijmans in Zusammenarbeit mit einem regionalen Ausbildungszentrum ein Programm gestartet, das Asylbewerbern mit Aufenthaltsgenehmigung helfen soll, eine Karriere im Baugewerbe zu finden. Das Programm kombiniert eine technische Ausbildung mit der niederländischen Sprache, kultureller Orientierung und zwischenmenschlichen Fähigkeiten und fördert so sowohl die berufliche Integration als auch die soziale Eingliederung.

Roboter können jetzt Beton in 3D drucken, aber sie können den Mangel an Arbeitskräften nicht ausgleichen (Foto: Sergey Kolesnikov/Shutterstock).

In Italien haben Webuild und andere große Bauunternehmen wie die FS Group und Fincantieri interne Akademien eingerichtet. Diese Schulen beschleunigen das Erlernen projektspezifischer Fähigkeiten und ermöglichen es Neueinsteigern, schneller auf der Baustelle mitzuarbeiten. Im Vereinigten Königreich investieren Hersteller wie Vaillant in die beschleunigte Umschulung von HLK-Fachleuten, um Techniker auszubilden, die für die Energiewende unverzichtbar sind, obwohl das Angebot immer noch hinter der Nachfrage zurückbleibt. In Spanien organisiert die Fundación Laboral de la Construcción praktische Ausbildungskurse und wirkungsvolle Kampagnen, um junge Menschen und Frauen für den Sektor zu gewinnen.

Diese Beispiele unterstreichen eine klare Botschaft: Bauunternehmen, die ausbilden, können sich einen zuverlässigeren Talentpool sichern und sich schneller an die Anforderungen der Energiewende anpassen.

Was dies für den Einzelhandel bedeutet

Der anhaltende Fachkräftemangel wirkt sich unmittelbar auf die Bauhandwerker aus. Die Projektfristen nehmen weiter zu, wie eine von 2024 im Vereinigten Königreich durchgeführte Umfrage zeigt, bei der 43 % der mittelständischen Bauunternehmen über Verzögerungen aufgrund von Personalmangel berichteten. Dies wirkt sich auf die Lieferkette aus, da Aufträge später als geplant eintreffen, Folgeaufträge weniger vorhersehbar sind und die Lieferanten plötzlich unter starkem Druck stehen. Für den Einzelhandel bedeutet dies, dass er sich auf einem unbeständigeren Markt bewegen muss. Die Nachfrage variiert von Kategorie zu Kategorie: Renovierungsbausätze und energietechnische Systeme werden stärker nachgefragt, während die Nachfrage nach traditionellen Baumaterialien während einer Rezession zurückgeht.

Kunden wenden sich zunehmend an Einzelhändler, um sich über komplexe Systeme wie Wärmepumpen, Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge und luftdichte Installationen beraten zu lassen, wodurch die Rolle des Einzelhändlers zu der eines technischen Partners wird. Gleichzeitig verlängert sich der Verkaufsprozess selbst, da Aufträge nur erteilt werden können, wenn die richtigen Installateure verfügbar sind. Auch die Logistik wird immer schwieriger, da die überlasteten Auftragnehmer kleinere, pünktlichere Lieferungen benötigen, um ihren vollen Terminkalender einhalten zu können. Diese Herausforderungen bieten jedoch auch Chancen: Einzelhändler, die Schulungen, einbaufertige Renovierungssets und digitale Tools anbieten können, um den Arbeitskräftemangel auszugleichen, haben gute Chancen, eine langfristige Kundenbindung aufzubauen.

Eine wichtige Rolle

Andrew Angelov Shutterstock

Obwohl sie nicht für die Ausbildung der gesamten Belegschaft verantwortlich sind, können Baustoffhändler eine indirekte, aber wichtige Rolle bei der Behebung des Arbeitskräftemangels spielen. Sie befinden sich in einer einzigartigen Position an der Schnittstelle zwischen Lieferanten und Auftragnehmern und können daher Initiativen unterstützen, die das Baugewerbe zu einem attraktiveren und leichter zugänglichen Beruf machen. Dies kann bedeuten, dass sie Lehrstellen und Meister-Lehrlings-Modelle in Verbindung mit realen Projekten fördern oder dabei helfen, Frauen, Migranten mit technischen Fähigkeiten und neue Arbeitnehmer in den Sektor zu bringen, indem sie den Zugang zu Ausbildung und Zertifizierung erleichtern.

Gleichzeitig können Einzelhändler durch die von ihnen angebotenen Dienstleistungen einen direkten Mehrwert schaffen. Indem sie technische Beratung zu komplexen Produkten wie Wärmepumpen oder Dämmsystemen anbieten, einbaufertige Renovierungspakete zusammenstellen oder die Logistik mit Kleinmengenlieferungen anpassen, können sie vielbeschäftigten Bauunternehmern helfen, effizienter zu arbeiten. Händler können auch mit Herstellern und Schulungsorganisationen zusammenarbeiten, um Kurse und Veranstaltungen zu organisieren, damit das Wissen über neue Technologien die Installateure erreicht, die es am meisten brauchen.

Auf diese Weise tun die Einzelhändler mehr, als nur Kisten zu transportieren. Sie stärken die Arbeitskräfte, unterstützen unter Druck stehende Unternehmer und sichern ihr eigenes langfristiges Wachstum, indem sie sich als unverzichtbare Lösungsanbieter positionieren.

Euro-Mat an vorderster Front

Der Kern der Lösung bleibt: mehr Menschen zu begeistern, auszubilden und zu binden, von der Schule bis zum Quereinstieg, vom Arbeitsplatz bis zur Zertifizierung. Euro-Mat, das europäische Netzwerk der Baustoffhändler, konzentriert sich darauf, indem es praktische und zukunftsweisende Lösungen für alle Glieder der Kette anbietet:

Masterclass “Die Zukunft der Baustelle”: Dieses mit der Technischen Universität Delft entwickelte Programm bereitet Fachleute auf die Baumethoden von morgen vor, von BIM und Vorfertigung bis hin zu KI, Robotik und Kreislaufbau. Es zeigt Einzelhändlern nicht nur, was auf sie zukommt, sondern auch, wie sie ihr Produktportfolio auf die neuen Technologien abstimmen können.

Euro-Mat Dashboard: Dieses gemeinsam mit führenden technischen Instituten entwickelte Tool liefert Einzelhändlern und Lieferanten Marktinformationen in Echtzeit und ermöglicht datengestützte strategische Entscheidungen in ganz Europa.

Wissensausschüsse: Gruppen, die sich auf die Entwicklung von Holzgeschäften und Nachhaltigkeit spezialisiert haben, bieten eine strukturierte Plattform für Händler, um bewährte Verfahren auszutauschen und gemeinsam auf Marktentwicklungen zu reagieren.

Praktische Innovationen: Von Betonlieferungsmodellen mit kleinen Chargen, die den Abfall reduzieren, bis hin zu Initiativen für biobasierte Materialien wie Bouwcenter‘s Bouwgroen, verwandeln die Euro-Mat-Mitglieder Herausforderungen in Wettbewerbsvorteile.

Networking und Studienreisen: Durch den Besuch von Peer-Unternehmen wie Leyland in London oder Bouwcenter in den Niederlanden erfahren die Mitglieder, wie Lokalisierungsstrategie, Nachhaltigkeit und Produktinnovation in die tägliche Praxis integriert werden können.

Digitales Magazin: Das digitale Magazin von Euro-Mat soll informieren und inspirieren, indem es Informationen über die Branche weitergibt, innovative Lösungen hervorhebt und erfolgreiche Initiativen in der europäischen Baustoffbranche vorstellt.

Euro-Mat berichtet nicht nur über den Arbeitskräftemangel, sondern hilft seinen Mitgliedern, den Arbeitskräftemangel in einen Innovationsmotor zu verwandeln.

Mangel an Arbeitskräften

  • EU-Leerstandsquote im Baugewerbe: 2,9 % (Ende 2024), eine der höchsten aller Branchen.
  • Niederlande: 80 offene Stellen pro 1.000 Arbeitsplätze, die höchste Quote aller Sektoren.
  • Deutschland: 53 % der Unternehmen berichten über Einstellungsschwierigkeiten, im Tiefbau 61 %.
  • Spanien: 700.000 zusätzliche Arbeitskräfte werden benötigt, um die Nachfrage zu decken.
  • Vereinigtes Königreich: 251 500 zusätzliche Arbeitskräfte im Bausektor bis 2028 (≈50 000 pro Jahr).
  • Fünf Hauptdefizite (EU, 2024/25): Elektriker, Klempner/HVAC-Installateure, Schweißer, Maurer, Bauleiter.

(Quellen: Eurostat, CEDEFOP, ifo Institut, CITB, UWV, El País).